Kapitel 4: Der Fremde

 

Die Drei waren so schnell wie möglich wieder umgekehrt. Doch als sie im Dorf angelangten, blieb ihnen keine Zeit, sich der Lage klar zu werden. Das Dorf wurde von Weißen angegriffen und alle rannten um ihr Leben. “Fliegender Adler” kam auf “Weißer Stern” zu, packte sie am Arm und wollte mit ihr die Flucht ergreifen. Doch plötzlich surrten Seile durch die Luft, schlangen sich um “Weißer Stern” und machten sie bewegungsunfähig. “Fliegender Adler” wollte ihr helfen und zog sein Messer, um sich auf den Reiter, der “Weißer Stern” gefangen hielt, zu stürzen.

Doch dieser kam ihm zuvor. Er wich einfach aus und schlug ihm dann mit dem Gewehr auf den Kopf. “Fliegender Adler” sackte zusammen.

Nein!!”, schrie “Weißer Stern”.

Sie wollte zu ihrem Vater laufen und ihm helfen, aber die Männer zogen sie mit sich. Sie wurde auf ein Pferd gesetzt und schon ritten sie ab. “Weißer Stern” musste tatenlos zusehen, wie die Männer ihr Zuhause zerstörten. Durch den Schock und ihre Trauer fiel sie in Ohnmacht.

Als sie wieder erwachte, hörte sie Stimmen. Ihr war kalt und zuerst wusste sie nicht, wo sie war. Doch dann kehrten die schrecklichen Erinnerungen wieder zurück und sie begann zu weinen. Sie hatte große Angst, schließlich war sie noch nie so allein gewesen. Und es war auch niemand da, dem sie sich hätte anvertrauen können. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte sie verstehen, was es bedeutete, allein zu sein, nicht zu wissen, was passieren wird und welche Zukunft es für sie gab. Ob es überhaupt eine Zukunft gab. Sie war so sehr in ihre Gedanken vertieft, dass sie die Schritte nicht bemerkte. Erst als sie plötzlich fühlte, dass das Seil sich lockerte, mit dem sie gefesselt war, drehte sie sich erschrocken um. Vor ihr stand ein Junge, vielleicht gleich alt wie sie, und deutete ihr, still zu sein. “Weißer Stern” ließ sich das nicht zweimal sagen und verhielt sich leise. Als er sie los geschnitten hatte, wollte sie aufspringen und davonlaufen, aber er hielt sie an den Armen fest. “Weißer Stern” wollte sich zur Wehr setzen und trat und kratzte wie eine Wilde. Doch ihrem Gegner schien das alles nichts auszumachen. Im Gegenteil; es sah so aus als ob er sie mit Leichtigkeit festhielt. Schließlich gab sie auf. Der Junge war viel stärker als sie, unmöglich ihm zu entkommen. Stattdessen wartete sie darauf, was er machen würde.

Plötzlich sagte er: ”Hab keine Angst, ich tu dir nichts. Ich heiße John und ich werde dir helfen zu fliehen, aber du musst leise sein.”

Seine Stimme beruhigte “Weißer Stern” und sie fasste etwas Vertrauen zu ihm. Mittlerweile hatten sich ihre Augen an das Dunkel gewöhnt und sie konnte erkennen, dass John einige Dinge wie Wasserflaschen, Trockenfleisch und noch einige andere Dinge, wie ein Messer und ein Seil in eine Tasche steckte. Dann deutete er ihr, leise mitzukommen. Sie schlichen zu zwei Pferden und saßen auf, als “Weißer Stern” einen Falken auf einem Ast bemerkte, dieser sie ansah und plötzlich wieder verschwand. Trotz ihrer Verwunderung tat sie es John gleich und wendete ihr Pferd. Leise ritten sie in die Nacht.