Kapitel 2: Der schreckliche Traum

 

Die drei Kinder hatten einen langen und anstrengenden, aber lustigen Tag hinter sich. Alle drei waren sie ziemlich erschöpft, denn die Pferde zum Fluss bringen war keine leichte Aufgabe. Zuerst mussten die Tiere dazu bewegt werden, den drei Kindern hinterher zu traben und dann musste man noch aufpassen, dass auch ja keines ausriss, was besonders die Füllen nur zu gern taten. Sie warteten auf das größte Durcheinander und stahlen sich dann Schritt für Schritt davon. Zum Glück hatten die drei schon einige Erfahrung damit, wie die Füllen da blieben, wo sie sein sollten, sonst wären sie wahrscheinlich ohne die Jungen zurückgekehrt. Und unten am Fluss musste man ihnen noch die Bänder um die Beine binden, damit sie nicht im Galopp davonliefen. Alles in allem war es eine Arbeit für wachsame Augen und Ohren.

An diesem Tag war “Weißer Stern” mehr als erschöpft und aß auch kaum noch was, bevor sie zu Bett ging. “Fliegender Adler” war verwundert, dass seine Tochter noch vor ihm zu Bett ging und sofort einschlief. Irgendwie war ihm in letzter Zeit etwas seltsam zu Mute, er war müde und es schien, als würden die Geister freundlicher zu ihm und würden sich ihm öfter zeigen. Erst letztens hatte er den Geist eines Bären durch das Dorf gehen und direkt Richtung Berge blicken sehen. Daraufhin war ihm in der Nacht ein Tiergeist erschienen, welchen er aber nicht genau hatte sehen können. Es war zu verwirrend um daraus einen Schluss zu ziehen. Er würde einfach abwarten, was das zu bedeuten hatte. Eines wusste er jedoch, nämlich dass das nichts böses bedeutete. Deshalb konnte er auch einfach abwarten.

Weißer Stern” schlief schlecht in dieser Nacht. Sie war zwar todmüde, wachte allerdings immer wieder ängstlich auf, wusste jedoch nicht, warum sie solche Angst hatte. Irgendwann spät in der Nacht fiel sie dann doch in einen unruhigen Schlaf.

Ihre Freunde und sie spielten im Fluss und bespritzten sich jauchzend mit Wasser. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel und die Pferde wurden unruhig, zerrissen die Bänder und liefen davon. Erschrocken drängten sich die drei aneinander. Und dann wechselte auf einmal alles. ”Weißer Stern” stand allein in einem seltsamen Nebel, der wogend ihre Beine umspielte. Plötzlich sah sie um sich herum gelbe Augen aufleuchten und ein lautes Heulen begann. ‚Wölfe!’, dachte sie sich und fing an zu rennen. Doch irgendwie kam sie nicht von der Stelle. Anstatt zu verschwinden kamen die Augen immer näher und näher. Plötzlich konnte sie nicht mehr weiter, sie stand vor einem tiefen Abgrund. Hungrig schlichen die Wölfe näher und näher. Sie setzten zum Sprung an und ... “Nein!!”.

Mit einem Schrei wachte sie auf. Ihr Vater hielt sie in den Armen und fragte: “Was ist denn los mein Kind, beruhige dich doch.”

Die sanfte Stimme ihres Vaters beruhigte “Weißer Stern” etwas.

Hast du schlecht geträumt?”, fragte ihr Vater sie.

Ja, von hungrigen Wölfen, die mich Fressen wollten”, antwortete sie.

Im Dorf sind keine Wölfe, du brauchst keine Angst zu haben.”

Müde und beruhigt schlief sie wieder ein.