Kapitel 4: Die (un-)schöne Vergangenheit

 

Wenn man von einem Mann hörte, der sich nach oben gearbeitet hatte und der von allen verehrt wurde, sprach man von ihm; Ashihej Kurofuji. Er war ein außergewöhnlicher Mann. Mit einer Behinderung geboren, die man erst bemerkte, als er erwachsen war, hatte er sich bis ganz nach oben gekämpft. Durch seine geringe Körpergröße immer belächelt, hatte er gelernt, anderen Menschen den ahnungslosen vorzuspielen. Dadurch hatte man ihn immer unterschätzt. Doch Ashihej war keinesfalls dumm. Im Gegenteil. Er absolvierte sein Wirtschaftsstudium in nur 3 Semestern. Damals waren alle überrascht und beeindruckt. Niemand traute ihm allerdings zu, dass er seinen Traum verwirklichen könnte. Alle lachten, wenn er von seiner Industriekette sprach, mit der er die Weltwirtschaft regeln wollte. Zuerst gab es für ihn nichts zu lachen. Mit einer kleinen Firma, die grade mal so dem Ruin entkommen war, begann er seinen Aufstieg. Die Jahre waren hart und er wurde es auch. Doch trotz vieler Rückschläge und Pleiten, Intrigen und Ausbeutungen schaffte er es, sich immer mehr Firmen unter den Nagel zu reißen. Erst als es zu spät war merkten diejenigen, die ihn vorher ausgelacht hatten, dass er ihnen ihre Firmen weg nahm und sich seinen Traum erfüllte. Nach vielen Jahren hatte er sein Ziel erreicht. Doch zur Ruhe wollte er sich nicht setzen. Nein, jetzt, da er sein Ziel erreicht hatte, dachte er bereits über neue Projekte nach. Er war ja noch jung. Mit 53 Jahren war man heutzutage kein alter Hase. Er hatte noch viele Jahre vor sich. Und auf dem Golfplatz stehen und sich die Zeit vertreiben, wie ihm sein bester Freund immer auf den Arm nahm, wollte er nicht. Geld wurde nicht auf dem Golfplatz gemacht, sondern durch harte Arbeit verdient. Seinen besten Freund, Carlos Asakam, lernte er damals auf der Universität kennen. Carlos hatte sein Studium in der regulären Zeit absolviert und mit Auszeichnung. Sein ungewöhnlich gutes Aussehen hatte ihm schon immer die Frauenwelt zu Füßen gelegt. Damals auf der Universität hatter er auch Stella kennengelernt. Stella war eine Modebewusste und hübsche Studentin gewesen. Sie war um 3 Jahre jünger gewesen als er, doch das hatte ihn nicht davon abgehalten, sie nach ihrem Abschluss um ihre Hand zu bitten. Die Beiden waren verliebt auf den ersten Blick. Ashihej, Carlos und Stella waren ein unzertrennliches Trio gewesen. Stella hatte wie Ashihei Wirtschaft studiert. Sie zwar nicht mit Auszeichnung abgegangen, verstand aber trotzdem ihr Wissen zu nutzen. Stella, die schon immer ein kleines Kaffee eröffnen wollte, konnte Carlos überreden mit ihr diesen Traum zu leben. Alles lief gut bis eines Tages die Lieferung nicht kam. Stella, die launisch war, weil sie gerade ihr erstes Kind erwartete, wollte nicht auf Ashihej warten, der sie gefahren hätte. Carlos hatte an diesem Tag Dienst in der Notaufnahme. Stella fuhr los um die Ladung selbst zu holen und versicherte noch, dass es ihr gutging. Man solle alles Andere vorbereiten, sie werde in einer Stunde zurück sein. Doch die Stunde überlebte sie nicht. Auf dem Rückweg und kurz vor dem Ziel raste ein betrunkener LKW-Fahrer bei Rot über eine Kreuzung. Stella's Wagen wurde überrollt. Schwerverletzt wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Carlos musste hilflos mitansehen, wie seine Frau in seinen Händen starb. Von da an, arbeitete er nur noch wie ein Wilder. Nach einem Burn-out und mehreren erzwungenen Urlauben fing er sich wieder soweit, dass er wieder ein normales Leben führte. Ashihej, der sich am Unglück die Schuld gab, distanzierte sich für einige Zeit von seinem Freund. Doch nach einigen Monaten kamen die beiden betrunken zu einem Gespräch zusammen und erneuerten so ihre Freundschaft. Carlos, der nach dem angemessenen Jahr der Trauer wieder normal schien, bekam nach und nach immer mehr Angebote von anderen wohlhabenden Familien, die ihre Töchter mit ihm verbinden wollten. Er ging auch brav auf jede Einladung ein, doch keine noch so hübsche Tochter konnte mit Stella mithalten. So wurde er immer frustrierter und zog sich irgendwann vollkommen aus der Öffentlichkeit zurück. Niemand konnte ihm jemals Stella ersetzen. In den einsamen Abenden an denen er mit einem Glas Whiskey in der Hand ins Feuer starrte, sagte er sich dies immer wieder und akzeptierte keine andere Frau. Hin und wieder musste er natürlich seinen Bedürfnissen nachgehen. Doch das waren alles lediglich gut bezahlte Prostituierte und keine von denen sah er genau an. Wenn sie hübsch war durfte sie in sein Bett. Mehr als das wollte er nicht zulassen. Mehr als das konnte er nicht zulassen. Dazu hatte ihm Stella zu viel bedeutet. Niemand würde sie je ersetzen oder übertreffen können. Mit Stella war seine Liebe und sein Lachen gestorben.