Kapitel 3: Kokoro

 

Als um halb Sechs der Laden schloss, sah man kurz darauf viele junge Frauen aus einer Seitengasse strömen. Die Meisten von ihnen waren noch geschminkt und somit leicht erkennbar, dass sie Prostituierte waren. Nach wenigen Minuten, als alle Anderen bereits gegangen waren, schlich ein Schatten um die Hausmauern. Auf den ersten Blick sah man ein mageres Ding, das den unter einer Kapuze verborgenen Kopf gesenkt hatte. Erst bei einem zweiten Blick fiel einem auf, dass die Kapuze etwas seltsame Ausstülpungen hatte. Auch der hinten heraushängende Schwanz mutete seltsam an. Doch sobald man diese Auffälligkeiten sah, verzogen die meisten Menschen verächtlich ihr Gesicht. Niemand wollte mit einer von denen zu tun haben. Da sie keinen Lohn erhielt, musste Kokoro immer ihre Arbeitsstelle angeben, wenn sie etwas einkaufen wollte. Die Rechnung wurde dann genauestens in ein Buch eingetragen, das nur für Nekomine war. Somit konnten die Geschäfte, bei Nichtbezahlen von Rechnungen, eine Anklageschrift an den letzten Arbeitgeber beziehungsweise an HERO senden, falls der Arbeitgeber nicht zahlen konnte. Doch die Chefs ermahnten ihre Angestellten Nekomine immer, sich keinen Blödsinn zu erlauben. Das fiel auch keinem Nekominen ein. Arbeitsverlust führte unweigerlich zum Tod auf der Straße. Außerdem musste damit gerechnet werden, dass man vorher noch einer langen und äußerst schmerzhaften Bestrafung unterzogen wurde. Man hatte zwar die Erlaubnis, seine Existenz zu erarbeiten, doch der „Lohn“ den sie erhielten beschränkte sich für fast alle nur auf die Einverständnis der Arbeitgeber mittels derer Adresse einzukaufen und in einer von den Chefs zur Verfügung gestellten Barackensiedlung zu wohnen. Diese Siedlungen waren alte Einfamilienhäuser. In der heutigen Zeit lebte niemand mehr in einem kleinen unscheinbaren Haus. Jeder hatte eine riesengroße Penthouse-ähnliche Wohnung, mit Dienstmägden, Butlern und allem nur kaufbarem. Nur wenige Nekomine besaßen das Glück, in einen solchen Haushalt aufgenommen zu werden. Zumindest dem Anschein nach waren sie glücklich. Doch meist wurden sie geschlagen und vergewaltigt, für irgendwelche „Spiele“ missbraucht oder als Jagdobjekt verwendet. Wer in einem solchen Haushalt lebte, hatte oft eine kürzere Lebensdauer als die Nekominen aus den Baracken. Kokoro seufzte. Ihr Leben war nicht besser als das einer Kakerlake. Und selbst die war nach Meinung der Allgemeinheit mehr wert als sie. Es gab kein Entkommen. Sie hatte zwar eine Arbeit und konnte sich somit selbst versorgen, was schon mal wenigstens etwas war, dass sie niemandem ein Dorn im Auge war. Doch in ihrem Beruf musste sie auch noch andere Dinge beachten. Sie durfte mit keinem der Fremden reden, musste alles tun, was sie verlangten und selbst beim noch so perversesten und demütigendsten Akt musste sie brav mitmachen und danach sagen, wie wunderbar es war und dass sie das bald wieder machen wollte. Sie hatte versucht, eine andere Art an Arbeit zu ergattern, doch niemand hatte sie haben wollen. Sie war zu klein für die Müllentsorgungsmaschinen, zu schwach für die Minen und bei medizinischen Tests wollten sie sowieso nur viel jüngere Exemplare haben. Selbst bei den Straßenfegern war sie nicht genommen worden. Man hatte sie lachend davon gejagt und ihr gesagt, sie solle ihre Beine breit machen, denn das wäre die einzige Aufgabe die sie möglicherweise erfüllen konnte. So war sie gezwungen gewesen, sich den ungebändigten Trieben der Menschen hinzugeben. Sie war schon längst nicht mehr traurig oder verzweifelt darüber. Die von Angst und Verzweiflung geprägten Stunden in ihrer Baracke waren längst vorbei. Sie stand abends nur noch apathisch vor dem Lokal und wartete darauf, ihre Schicht zu beginnen. Manche Kunden waren nett, wollten nur ein wenig Streicheleinheiten oder auch etwas Blümchensex. Doch meistens war das eher eine Ausnahme. All die Reichen mussten stehts ihre Ehre wahren solange sie in der Öffentlichkeit waren. Doch sobald die Nach kam, ließen sie ihre Wut, Frustration oder auch nur zu Hause nicht machbaren Machtspielchen an den Prostituierten aus. Selbst Andere Freudenmädchen wurden nicht so schlecht behandelt wie sie. Einige taten dies sowieso nur zum Zeitvertreib oder weil sie etwas Spannung wollten. Dank ihrer Apathie bekam sie das Meiste nicht wirklich mit. Die Schmerzen von Schlägen und brutalem Sex waren nur dumpf. Sie ließ einfach alles mit sich machen, denn eine Mehrheit der Kunden wollte sowieso nichts außer Schreien und Stöhnen hören. Ihr Körper reagierte in der Zwischenzeit wie von selbst. Wirkliche Erregung spürte sie nicht. Ihr Körper hatte sich lediglich den Anforderungen angepasst. Ihr gekünsteltes Stöhnen nahmen die Kunden nicht als falsch wahr und waren somit immer zufrieden. Dadurch erlangte sie eine gewisse Berühmtheit und brachte somit viel Geld ein. Ihr Chef war darüber sehr erfreut. Wenigstens solange es so weiterging bräuchte sie sich keine Sorgen um ihr Leben machen. Solange sie spurte, würde sie ein schönes, von Wonne erfülltes Dasein führen - gefangen als Sexsklavin.