Kapitel 1: Die verachtete Art

Utopia war eine wunderbare Stadt. Ein Hochhaus ragte neben dem Anderen empor, die Fortbewegungsmittel benötigten schon lange nicht mehr die Betonstraßen am Boden, die alt und brüchig waren. Roboter übernahmen unliebsame Arbeiten, wie Einkaufen gehen oder Kinder zu hüten. Mit Geld bekam man Macht und mit Macht konnte man sich alles leisten und ein Leben im Himmel führen. Ganz anders war die Welt unterhalb der schwebenden Autoreihen. Auf den zerrissenen und vom Wetter deformierten Straßen der hochtechnisierten Stadt lebten SIE. Die Nekominen. Sie waren eine Art, die in den frühen 2080 entstanden war. Ein Labor hatte Versuche mit verschiedenen Kreuzungen von DNA's durchgeführt. Viele Tierarten wurden mit menschlicher DNA gekreuzt, doch kaum eine überlebte die ersten Monate in der Testphase. Dann entschlüsselten die Forscher ein wichtiges Gen, das ihnen bisher unwichtig erschienen war. Mithilfe dieses Gens konnte man bestimmt animalische Merkmale aus der Tier-DNA in die menschliche einfügen und den Strang dadurch erweitern. Als erstes war das mit der Katzenerbinformation gelungen. Die ersten Versuchsexemplare hatten mehrere Jahre überlebt, waren dabei physisch aber so schnell gealtert, dass man weiter forschen musste. Nach weiteren Jahren und vielen Fehlschlägen hatte man den Alterungsprozess schließlich normalisieren können. Nun waren die Nekomine dafür gedacht, den „Neuen Menschen“ mit besseren Reflexen und physisch besseren Merkmalen zu erschaffen. Die Menschheit wollte der Evolution einen Schritt voraus sein und sich selbst neue Lebens verbesserungen schaffen. Doch dann bemerkte ein Forscher zufällig, dass durch das Stabilisieren des Alterns das Fortpflanzungsgen dabei so stark deformiert wurde, dass es nicht mehr zu gebrauchen war. Somit fielen die zuerst gefeierten Katzenmenschen in Verachtung. Was war schon eine neue Art wert, wenn sie nicht ihren Zweck erfüllen konnte? Da es auf der ganzen Welt inzwischen Forschungszentren gab, die diese Art gebaut hatten, waren es sehr viele Nekomine, die von Einem Tag zum Anderen nichts mehr wert waren. Zuerst überlegte man, sie einfach alle wieder zu töten, es gab sogar eine Hetzkampagne gegen sie. Doch da niemand in den politischen Reihen der Oberen Führer das Spektakel aus dem 20. Jahrhundert wiederholen und sich somit unbeliebt machen wollte, entschied man, dass sie für sich selbst sorgen mussten. Auf sich alleine gestellt und immer von den Menschen versorgt gewesen, wussten sie nicht, wie sie überleben sollten. Durch ihre Unwissenheit starb die Hälfte der Nekomine in den ersten Wochen und Monaten. Niemand wollte sie bei sich haben oder sie versorgen. Nur wenige hilfsbereite Menschen hatten Mitleid. Doch selbst diese stellten bald ihre Hilfe ein, da es einfach zu viele wurden, sobald man auch nur einem half. Somit mussten die Nekomine sich anpassen. Im Laufe der Jahre hatte man ihnen gewisse Tätigkeiten als erlaubt zugewiesen. Doch diese waren weder gut bezahlt noch angesehen. Sie durften die nicht mehr benutzten Straßen fegen, mussten in Fabriken den Müll trennen und entsorgen, mussten in gefährlichen Minen arbeiten oder bei medizinischen Tests ihre Körper zur Verfügung stellen. Bezahlt wurden sie nicht. Man gestand ihnen lediglich einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen zu. Die Nekomine hatten keine Rechte, kein Leben und würden nie Achtung haben. Niemanden interessierte es, dass ihr Leben die Hölle war.